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Karriere ist auch Familiensache

Wie Lebensentwürfe und Glaubenssätze unseren Berufsweg prägen

Von Dr. Claudia Sorg-Barth

Unsere Karriere wird oft stärker von familiären Glaubenssätzen und unbewussten Lebensentwürfen geprägt, als wir denken. Der Beitrag zeigt, wie systemische Karriereberatung dabei unterstützt, diese Muster zu erkennen, den eigenen Karriereweg bewusst zu reflektieren und stimmige berufliche Entscheidungen zu treffen.

Mach etwas Sicheres.“ – „Mit einem Job im öffentlichen Dienst bist du gut versorgt.“ – „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“ – „Selbstständigkeit ist viel zu riskant.“

Viele von uns kennen solche Sätze. Manche wurden offen ausgesprochen, andere waren unausgesprochene Familienregeln. Oft begleiten sie uns ein Leben lang – und beeinflussen unsere beruflichen Entscheidungen, ohne dass wir es bemerken.

Noch bevor wir unsere erste Bewerbung schreiben oder über unseren Traumberuf nachdenken, haben wir bereits die wichtigsten Botschaften über Arbeit, Erfolg und Sicherheit erhalten – in unserer Familie. Sie ist häufig unsere erste Karriereberaterin.

In meiner Arbeit als Karriereberaterin erlebe ich immer wieder, dass Menschen zunächst glauben, ihre beruflichen Entscheidungen ausschließlich rational getroffen zu haben. Schaut man jedoch genauer hin, zeigt sich häufig ein anderes Bild: Unsere Vorstellungen von Erfolg, Sicherheit, Leistung oder Anerkennung sind oft viel stärker von unserer Herkunft geprägt, als uns bewusst ist.

Die systemische Karriereberatung geht davon aus, dass berufliche Entscheidungen nie losgelöst von unserem Umfeld entstehen. Familie, Werte, Rollenbilder und prägende Erfahrungen bilden den Rahmen, in dem wir unseren beruflichen Weg entwickeln. Wer diese Zusammenhänge versteht, gewinnt mehr Klarheit und kann bewusster entscheiden – nicht gegen etwas, sondern für den eigenen Weg.

Karriere beginnt lange vor der ersten Bewerbung

Unsere erste Vorstellung von Arbeit entsteht nicht im Berufsleben, sondern in unserem Elternhaus. Dort erleben wir, wie über Arbeit gesprochen wird, welche Berufe Anerkennung erfahren und was als Erfolg gilt.

Manche Familien legen großen Wert auf Sicherheit und Beständigkeit. Andere fördern Leistungsbereitschaft, Selbstständigkeit oder gesellschaftliches Ansehen. Wieder andere vermitteln, dass Arbeit vor allem Freude machen soll.

Diese Werte sind weder richtig noch falsch. Sie sind häufig das Ergebnis der Erfahrungen früherer Generationen. Wer wirtschaftliche Unsicherheit erlebt hat, wird seinen Kindern vermutlich andere Empfehlungen mitgeben als Eltern, die berufliche Selbstverwirklichung erfahren durften.

Aus systemischer Sicht sind diese Erfahrungen keine Randnotizen unserer Biografie. Sie bilden vielmehr den Hintergrund, vor dem wir spätere Karriereentscheidungen treffen – häufig, ohne uns dessen bewusst zu sein.

Problematisch wird es erst dann, wenn wir diese Überzeugungen unbewusst übernehmen und gar nie hinterfragt werden. Dann treffen wir Entscheidungen möglicherweise nicht aufgrund unserer eigenen Bedürfnisse, sondern folgen einem inneren Auftrag, der ursprünglich gar nicht unser eigener war.

Welche inneren Aufträge begleiten Sie?

In Beratungen begegnen mir häufig Glaubenssätze wie:

  • Sicherheit geht immer vor.
  • Ein Beruf beim Staat ist das Beste, was dir passieren kann.
  • Hauptsache, du hast einen festen Arbeitsplatz.
  • Sei bescheiden und falle nicht auf.
  • Geld allein macht nicht glücklich.
  • Erst wenn du hart arbeitest, hast du Erfolg verdient.
  • Man bleibt seinem Arbeitgeber treu.
  • Erfolg bedeutet, Karriere zu machen.
  • Wer Verantwortung übernimmt, trägt auch viel Last.

Viele dieser Überzeugungen haben Menschen über Jahre Orientierung gegeben. Gleichzeitig können sie dazu führen, dass Karriereentscheidungen schwerfallen oder Entwicklungsmöglichkeiten gar nicht erst wahrgenommen werden.

Nicht selten spüren Klientinnen und Klienten genau das: Irgendetwas hält sie zurück. Sie können es jedoch zunächst nicht benennen.

Deshalb lohnt es sich, die eigenen Glaubenssätze und familiären Aufträge bewusst zu erforschen. Im Ergebnis erweitert sich damit oftmals der eigene Handlungsspielraum.

Drei Wege, den eigenen Karrierekompass besser zu verstehen

In meiner Karriereberatung haben sich dafür drei Zugänge besonders bewährt.

  1. Der Blick zurück – die eigene Biografie verstehen

Gemeinsam betrachten wir den bisherigen Lebens- und Berufsweg.

  • Welche Entscheidungen waren prägend?
  • Warum wurde gerade dieser Beruf gewählt?
  • Weshalb blieb jemand in einer Position, obwohl sie längst nicht mehr erfüllend war?
  • Wann wurden Chancen genutzt – und wann bewusst vermieden?

Besonders spannend wird dabei die Frage:

Welcher Glaubenssatz hat mich in dieser Lebensphase begleitet?

Oft entstehen genau hier die ersten Aha-Momente. Plötzlich wird sichtbar, dass bestimmte Entscheidungen weniger aus eigener Überzeugung entstanden sind, als aus übernommenen Werten.

  1. Das Gespräch mit den Eltern oder wichtigen Bezugspersonen

Wenn es möglich und sinnvoll ist, rege ich meine Klientinnen und Klienten an, mit ihren Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen ins Gespräch zu gehen.

Fragen können dabei sein:

  • Was bedeutet für euch beruflicher Erfolg?
  • Was habt ihr euch früher für mich gewünscht?
  • Worauf wart ihr besonders stolz?
  • Welche Eigenschaften waren euch im Berufsleben wichtig?

Die Antworten überraschen häufig. Viele Eltern wünschen sich vor allem, dass ihre Kinder ein sicheres und erfülltes Leben führen. Die daraus entstandenen Botschaften waren oft Ausdruck von Fürsorge.

Allein dieses Verständnis verändert häufig den Blick auf die eigene Karriere.

  1. Die Vorbild-Recherche

Ebenso aufschlussreich ist die Frage nach den eigenen Vorbildern.

Welche Menschen beeindrucken mich beruflich?

Und noch wichtiger:

Was genau fasziniert mich an ihnen?

Ist es ihre Freiheit? Ihr Mut? Ihre Gelassenheit? Ihre fachliche Kompetenz? Ihre Kreativität? Ihr gesellschaftlicher Beitrag? Oder ihre Fähigkeit, Beruf und Privatleben gut miteinander zu verbinden?

Hinter unseren Vorbildern verbergen sich häufig unsere eigenen Werte – manchmal diejenigen, die bislang noch keinen Platz im eigenen Berufsleben gefunden haben.

 

Wenn aus einem Familienauftrag eine bewusste Entscheidung wird

Besonders berührend sind für mich die Momente, in denen Klientinnen und Klienten erkennen:

„Ich darf meinen eigenen Weg gehen.“

Vielleicht galt der Satz „Sicherheit geht vor“ vor 40 Jahren tatsächlich für die Lebenswirklichkeit der Eltern.

Heute darf daraus auch werden: „Sicherheit ist mir wichtig – und gleichzeitig wünsche ich mir Sinn, Entwicklungsmöglichkeiten und Gestaltungsspielraum.“

Oder aus dem familiären Auftrag „Mach etwas Vernünftiges“ wird die Erkenntnis:

„Ich darf erfolgreich sein, ohne mich zu verbiegen.“

Es geht dabei nicht darum, die Werte der Familie in Frage zu stellen oder gar abzulehnen. Im Gegenteil: Sie verdienen in den allermeisten Fällen sogar Respekt, denn sie entstanden aus Erfahrungen und mit der besten Absicht.

Entscheidend ist vielmehr, bewusst zu entscheiden, welche dieser Werte heute noch zu den eigenen Lebenszielen passen – und welche weiterentwickelt werden dürfen.

Karriere bedeutet auch Persönlichkeitsentwicklung

Berufliche Entscheidungen entstehen selten nur im Kopf. Sie sind eng mit unserer Biografie, unseren Erfahrungen und den Systemen verbunden, in denen wir aufgewachsen sind.

Wer diese Zusammenhänge erkennt, erweitert seinen Entscheidungsspielraum. Karriereberatung bedeutet für mich deshalb weit mehr als die Suche nach dem nächsten Job oder der passenden Weiterbildung. Sie lädt dazu ein, den eigenen Lebensweg besser zu verstehen, alte Muster zu erkennen und daraus neue Möglichkeiten zu entwickeln.

Eine gute Karriere entsteht nicht dadurch, dass wir den Erwartungen anderer folgen. Sie entsteht dann, wenn wir unsere eigenen Werte kennen, unsere Stärken bewusst einsetzen und Entscheidungen treffen, die wirklich zu unserem Leben passen.

Denn die wichtigste Karriereentscheidung lautet oft nicht:

„Welchen Job soll ich als Nächstes annehmen?“

Sondern:

„Welchen Weg möchte ich wirklich gehen – und welcher Teil davon ist tatsächlich meiner?“

Autoreninformation

Dr. Claudia Sorg-Barth ist Mitglied der DGfK. Sie arbeitet als Karriereberaterin, Business Coach und Trainerin und unterstützt Menschen dabei, ihr Potenzial zu entfalten, wirksam zu kommunizieren und ihren beruflichen Weg mit Klarheit zu gestalten. 

Innere Bilder und Metaphern in der Karriereberatung

Von Elke Wagenpfeil

Innere Bilder und Metaphern eröffnen in der Karriereberatung neue Perspektiven. Sie machen Motive, Werte und Blockaden sichtbar – und unterstützen Menschen dabei, stimmige berufliche Entscheidungen zu treffen.

Mit inneren Bildern und Metaphern berufliche Perspektiven eröffnen

Karriereberatung ist längst mehr als das Optimieren von Lebensläufen oder das Trainieren von Bewerbungsgesprächen. In einer Arbeitswelt, die von Wandel, Unsicherheit und neuen Anforderungen geprägt ist, gewinnt ein Ansatz zunehmend an Bedeutung: das Arbeiten mit inneren Bildern und Metaphern im Coaching. Gerade in der Karriereberatung eröffnet dieser Zugang neue Perspektiven, weil er nicht nur den Verstand, sondern auch Emotionen, Motivation und persönliche Werte anspricht. Wer sich auf diese Form der beruflichen Weiterentwicklung einlässt, kann tiefere Einsichten gewinnen, seine innere Überzeugungskraft stärken und nachhaltige Entscheidungen für die berufliche Neuorientierung treffen.

Innere Bilder wirken oft stärker als rationale Argumente. Sie entstehen aus Erfahrungen, Prägungen und unbewussten Überzeugungen und beeinflussen maßgeblich, wie Menschen ihre Karriere wahrnehmen und gestalten. In der Karriereberatung werden diese Bilder gezielt sichtbar gemacht, um verborgene Motive und Blockaden zu erkennen. Besonders in der Analysephase eines Coaching-Prozesses zeigt sich, wie kraftvoll diese Methode ist. Statt nur über Stärken und Schwächen zu sprechen, entwickeln Klientinnen und Klienten ein Bild davon, wie sie sich selbst im beruflichen Kontext sehen. Dieses Bild liefert oft tiefgreifendere Hinweise als jede klassische Kompetenzanalyse.

Innere Bilder als Kompass

Auch bei der Zielklärung spielt die Arbeit mit Metaphern eine zentrale Rolle. Wer sich beruflich neu orientieren möchte, steht häufig vor der Herausforderung, diffuse Wünsche in konkrete Ziele zu übersetzen. Ein inneres Bild kann hier als Kompass dienen. Es macht sichtbar, was wirklich wichtig ist, und hilft, Prioritäten zu setzen. In der Entscheidungsfindung unterstützt dieser Ansatz, indem er verschiedene Optionen emotional erfahrbar macht. Statt nur Pro- und Contra-Listen zu erstellen, können Klientinnen und Klienten spüren, welcher Weg sich stimmig anfühlt. Im Coaching-Prozess selbst schließlich dienen Metaphern dazu, Veränderungen zu verankern und neue Denk- und Handlungsmuster zu entwickeln.

Eine aktuelle empirische Studie von Linda Steyn und Antoni Barnard aus dem Jahr 2024, veröffentlicht im SA Journal of Industrial Psychology, untersucht die Rolle von Metaphern im Coachingprozess und deren Einfluss auf berufliche Selbstklärung. Die Forschenden zeigen auf Basis qualitativer Interviews, dass Klientinnen und Klienten ihre beruflichen Erfahrungen und Entscheidungsprozesse spontan in Form von Metaphern und inneren Bildern strukturieren, um komplexe Identitätsfragen verständlich zu machen. Diese metaphorischen Bilder fungieren als Reflexionsinstrumente, die neue Einsichten über berufliche Rollen, Ziele und Handlungsmöglichkeiten ermöglichen. Besonders relevant ist, dass Metaphern im Coaching nicht nur beschreibend wirken, sondern aktiv Transformationsprozesse anstoßen, indem sie Selbstwahrnehmung, Entscheidungsfähigkeit und Handlungssicherheit stärken. Insgesamt kommt die Studie zu dem Schluss, dass die gezielte Arbeit mit Metaphern im Coaching ein wirksamer Hebel ist, um berufliche Identitätsentwicklung und fundierte Entscheidungen nachhaltig zu fördern.

„Was ich als kleines Kind werden wollte“ – die Wirkkraft des Bildes vom ersten Berufswunsch

Wie ein solcher Prozess in der Praxis der Karriereberatung aussehen kann, verdeutlicht folgendes Beispiel. Eine Klientin kommt mit dem Wunsch nach beruflicher Neuorientierung ins Coaching. Sie ist unzufrieden in ihrem aktuellen Job, kann aber nicht genau benennen, in welche Richtung sie sich entwickeln will. Im Rahmen der Analyse wird sie gebeten, sich an ihren ersten Berufswunsch als Kind zu erinnern und das dazugehörige innere Bild zu beschreiben. Sofort sieht sie sich als Lehrerin in einem Klassenzimmer. Doch es war nicht das Unterrichten selbst, das sie damals faszinierte. Vielmehr erinnert sie sich daran, wie sie gedanklich Sitzpläne erstellte und überlegte, welches Kind neben welchem sitzen sollte, damit beide voneinander profitieren konnten.

Dieses Bild entfaltet im Coaching eine enorme Wirkung. Die Klientin erkennt, dass ihr eigentliches Motiv darin liegt, Menschen so zusammenzubringen, dass sie sich gegenseitig fördern und ihre Potenziale entfalten können. Dieses tiefe Verständnis verändert ihren Blick auf ihre berufliche Weiterentwicklung grundlegend. Plötzlich ergeben sich neue Optionen, die zuvor nicht sichtbar waren. Am Ende des Coaching-Prozesses entscheidet sie sich für einen internen Wechsel in den Bereich Transformation & Development ihres Unternehmens, in der sie Projektteams zusammenstellt und Prozesse gestaltet. Die Verbindung zwischen ihrem inneren Bild und ihrer neuen beruflichen Rolle gibt ihr eine starke innere Klarheit und Sicherheit – auch für ihre zukünftige berufliche Entwicklung.

Metaphern als Motor zur Veränderung

Ein zweiter Praxisfall – dieses Mal aus dem Führungskräfte-Coaching – verdeutlicht, wie Metaphern auch den Führungsstil nachhaltig verändern können. Eine erfahrene Führungskraft sucht Unterstützung, weil er sich zunehmend unter Druck fühlt und seine Rolle als belastend empfindet. In der Analyse beschreibt er sein inneres Bild von Führung als das eines Löwenbändigers. Er sieht sich selbst in der Manege, umgeben von wilden Tieren, die er kontrollieren muss. Dieses Bild erklärt seine Anspannung, seinen Kontrollanspruch und seine ständige Wachsamkeit.

Im Coaching wird dieses Bild hinterfragt und weiterentwickelt. Die Führungskraft erkennt, dass diese Metapher nicht mehr zu ihrem gewünschten Führungsstil passt. Gemeinsam wird ein neues inneres Bild entwickelt: das eines Gärtners. In dieser Vorstellung versteht er seine Mitarbeitenden als Pflanzen, die unterschiedliche Bedürfnisse haben und individuell gefördert werden müssen. Seine Aufgabe besteht nun darin, optimale Bedingungen für Wachstum zu schaffen, statt Kontrolle auszuüben. Dieses neue Bild verändert nicht nur seine Haltung, sondern auch sein Verhalten im Alltag. Gespräche werden wertschätzender, Entscheidungen klarer und die Zusammenarbeit im Team wird deutlich produktiver.

Innere Bilder und Metaphern machen Verborgenes sichtbar

Diese Beispiele zeigen, dass Karriereberatung und Coaching durch den Einsatz innerer Bilder eine neue Tiefe erreichen können. Gerade in Zeiten, in denen klassische Karrierewege immer seltener werden, ist es entscheidend, die eigene innere Orientierung zu stärken. Metaphern helfen dabei, komplexe Themen greifbar zu machen und nachhaltige Veränderungen anzustoßen. Sie schaffen Zugang zu Ressourcen, die im rein rationalen Denken oft verborgen bleiben.
Am Ende geht es in der Karriereberatung nicht nur darum, den nächsten Job zu finden oder eine erfolgreiche Bewerbung zu schreiben. Es geht darum, eine stimmige Verbindung zwischen Persönlichkeit, Motivation und beruflicher Realität herzustellen. Innere Bilder und Metaphern sind dabei ein wirkungsvolles Instrument, um genau diese Verbindung zu entdecken und zu gestalten. Sie machen sichtbar, was wirklich antreibt, und eröffnen neue Wege für eine erfüllte berufliche Weiterentwicklung.

Fazit: Innere Bilder sind ein wirkungsvolles Instrument in der Karriereberatung und im Coaching, um eine berufliche Veränderung, Neuorientierung und Bewerbung nachhaltig zu gestalten. Sie unterstützen die Analyse, Zielklärung und Entscheidungsfindung, stärken die persönliche Motivation und ermöglichen tiefere Einsichten sowie langfristigen Erfolg.

Autoreninformation

Die Frankfurter Psychologin Elke Wagenpfeil ist Expertin rund um Job & Karriere und Mitglied bei der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung. Viele Jahre hat sie selbst als Personalerin in einem internationalen Konzern Führungskräfte bei Personalbesetzungen weltweit beraten.

Quellen:

https://www.researchgate.net/publication/378934257_The_coaching_experience_as_identity_work_Reflective_metaphors

Passend zum Thema wurde dieser Artikel KI-unterstützt, aber natürlich mit „Human in the loop“ erstellt.

Karriere im KI-Zeitalter

Von Elke Wagenpfeil

Wie künstliche Intelligenz den Arbeitsmarkt verändert – und warum berufliche Weiterentwicklung, ein stetes Auge auf Arbeitsmarkttrends bis hin zur klugen Neuorientierung heute wichtiger sind als je zuvor.

Die Zukunft der Karriere beginnt jetzt

Wer heute über Karriere nachdenkt, denkt zunehmend auch über künstliche Intelligenz nach. In Büros schreiben Algorithmen Berichte, in Fabriken optimieren Systeme Produktionsabläufe, und in Krankenhäusern analysiert Software medizinische Bilder. Für viele Arbeitnehmende entsteht dadurch eine ganz neue Herausforderung: Wie bleibt man in einer Arbeitswelt relevant, die sich immer schneller verändert?

Doch bevor man über die Zukunft spricht, lohnt sich ein kurzer Blick zurück. Prognosen über den Arbeitsmarkt waren schon immer schwierig. Auch in Deutschland gab es immer wieder Berufe, die zunächst als sichere Zukunftswahl galten – nur um wenige Jahre später von einem Überangebot geprägt zu sein. Ein klassisches Beispiel ist der Lehrerberuf. In den 1970er-Jahren sprach man in Deutschland von einer regelrechten „Lehrerschwemme“. Zehntausende AbsolventInnen konkurrierten um wenige Stellen. Einige Bundesländer stellten jahrelang kaum neue LehrerInnen ein. Jahrzehnte später hat sich das Bild komplett gedreht: Prognosen gehen davon aus, dass in Deutschland im Schuljahr 2025/26 rund 35.000 Lehrkräfte fehlen könnten, fünf Jahre später sogar 68.000.

Ein ähnlicher Zyklus zeigt sich in technischen Berufen. Noch Anfang der 2000er-Jahre wurde intensiv dafür geworben, mehr junge Menschen für Informatik und MINT-Studiengänge zu gewinnen. Tatsächlich stieg die Zahl der AbsolventInnen deutlich. Gleichzeitig verändert sich aber auch hier die Nachfrage ständig. So lag der Fachkräftebedarf im MINT-Bereich zeitweise bei über 320.000 fehlenden Fachkräften in Deutschland. Die MINT-Arbeitskräftelücke lag laut IW Köln im Dezember 2025 bei 142.000 Personen, das entspricht 23,2 Prozent niedriger als im Dezember 2024. Viele Hochschulabsolventen stellen dies aktuell fest und berichten von erschwerten Einstiegsbedingungen.

Was bedeutet das für Ihre Karriereplanung? Ganz einfach: Selbst gut gemeinte Prognosen können sich als falsch erweisen. Genau deshalb wird es immer wichtiger, die eigene berufliche Weiterentwicklung aktiv zu gestalten – statt sich allein auf Trends zu verlassen.

Drei Szenarien für den Arbeitsmarkt der Zukunft

Wie genau sich Arbeit im KI-Zeitalter entwickeln wird, ist offen. Studien zur Technologieentwicklung beschreiben jedoch drei plausible Szenarien.

Szenario 1: Die produktive KI-Arbeitswelt

Im optimistischsten Szenario wird künstliche Intelligenz vor allem zu einem Werkzeug, das Arbeitnehmende produktiver macht. Ähnlich wie Computer oder Internet verändert KI den Arbeitsalltag – ersetzt den Menschen aber nicht. Eine internationale Arbeitsmarktstudie der OECD aus 2023 zeigt, dass über 80 % der Mitarbeitenden, die mit künstlicher Intelligenz arbeiten, von einer verbesserten Leistung sprechen. Gerade in Arbeitsbereichen wie Medizin, Industrie oder Marketing könnte sich dadurch die tägliche Arbeit verändern. Ärztinnen und Ärzte nutzen KI bereits bei der Analyse medizinischer Daten. Ingenieure arbeiten mit intelligenten Produktionssystemen. Und im Marketing entstehen Inhalte zunehmend in Zusammenarbeit mit KI-Tools.

Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten im Marketing, in der Verwaltung oder im Projektmanagement. Routineaufgaben wie Protokolle, Analysen oder Präsentationen lassen sich teilweise automatisieren. Was bleibt, sind strategische Entscheidungen, Kreativität und Kommunikation. Für Ihre Karriereentwicklung bedeutet das eine entscheidende Frage: Nutzen Sie diese Werkzeuge bereits – oder überlassen Sie sie anderen?

Szenario 2: Der polarisierte Arbeitsmarkt

Ein zweites Szenario wird in vielen Studien ebenfalls diskutiert: ein stärker gespaltener Arbeitsmarkt in der Form, dass hoch qualifizierte Arbeitnehmende profitieren und niedrig qualifizierte Berufe negative Auswirkungen im Hinblick auf Arbeitsmarkt-Chancen und Gehaltsentwicklung hinnehmen müssen.

Was bedeutet das konkret für Ihre berufliche Zukunft? Viele klassische Routineaufgaben könnten verschwinden. Denken Sie an einfache Sachbearbeitung, Datenerfassung, Standard-Buchhaltung oder repetitive administrative Tätigkeiten. Gleichzeitig entstehen neue Chancen in Bereichen wie Datenanalyse, Cybersecurity, KI-Entwicklung, Bildung oder Gesundheitswesen. In solchen Situationen wird professionelle Karriereberatung besonders wichtig. Wer früh erkennt, wie sich sein Beruf verändert, kann gezielt neue Kompetenzen aufbauen.

Vielleicht stellen Sie sich gerade selbst eine Frage: Wird mein Job in zehn Jahren noch existieren? Die bessere Frage lautet oft: Wie wird sich mein Job verändern?

Szenario 3: Die große berufliche Neuorientierung

Das dritte Szenario ist das radikalste. Hier verändert KI nicht nur einzelne Aufgaben – sondern ganze Berufsbilder. Schon heute entstehen neue Rollen: KI-Trainer, Prompt-Designer, Datenethiker, Automatisierungsberater oder AI-Produktmanager – (m/w/d). Vor wenigen Jahren kannte kaum jemand diese Berufe. Was bedeutet das für Arbeitnehmende? Berufliche Neuorientierung wird zunehmend normal. Viele Karrieren verlaufen nicht mehr linear, sondern bestehen aus mehreren Etappen.

Die Frage lautet also nicht mehr: Werde ich mein ganzes Leben denselben Beruf ausüben? Sondern: Wie oft werde ich mich neu erfinden?

Was Arbeitnehmende jetzt tun können

Die gute Nachricht: Niemand muss diese Veränderungen passiv abwarten. Viele Strategien aus moderner Karriereberatung und Karriere Coaching helfen bereits heute dabei, sich auf den Wandel vorzubereiten.

#1: KI verstehen statt fürchten

Viele Arbeitnehmende erleben KI zunächst als Bedrohung. Doch die entscheidende Kompetenz besteht darin, Ergebnisse kritisch zu prüfen, sie zu verstehen und produktiv einzusetzen.

Wie können Sie das konkret tun? Heute gibt es zahlreiche kostenlose Möglichkeiten zur beruflichen Weiterbildung im Bereich künstliche Intelligenz. Kostenlose Onlinekurse bieten beispielsweise Universitäten und Lernplattformen. Besonders beliebt sind Kurse zu „Prompt Engineering“, Datenanalyse oder Automatisierung. Plattformen wie Coursera, edX oder YouTube bieten komplette Einsteigerprogramme – häufig kostenlos oder sehr günstig. Auch viele Unternehmen stellen interne KI-Trainings bereit. Wer sich aktiv damit beschäftigt, kann seine Produktivität deutlich steigern.

Neben dem Erwerb von KI-Grundlagen macht es Sinn, sich in seinem Fachgebiet eine Doppelkompetenz aufzubauen, so zum Beispiel KI plus Medizin, KI plus Recht oder KI plus Sales. Schon heute zeigen Studien eine deutliche Zunahme an Stellenausschreibungen mit KI-Bezug. Im Personalwesen beispielsweise gehen die Stellenausschreibungen seit 2022 insgesamt zurück, doch HR-Stellenausschreibungen mit KI-Bezug sind seit Anfang 2025 kräftig gewachsen.

#2: Nicht nur Fachwissen – sondern Problemlösung

KI ist hervorragend darin, Informationen zu verarbeiten. Schwieriger wird es, zumindest aktuell noch, bei komplexen Entscheidungen oder kreativen Aufgaben. Deshalb gewinnen Fähigkeiten wie kritisches Denken, Kommunikation, Kreativität und interdisziplinäres Denken an Bedeutung. KarriereberaterInnen sagen, es geht weniger um einzelne Tools, sondern um Denkweisen.

Fragen Sie sich selbst: Können Sie komplexe Probleme strukturieren? Können Sie Teams führen? Können Sie neue Ideen entwickeln? Diese Fähigkeiten bleiben langfristig gefragt.

#3: Karriere aktiv planen

Früher verlief eine Karriere häufig linear: Ausbildung, Berufseinstieg, Aufstieg im Unternehmen. Heute ähnelt eine Karriere eher einem Netzwerk aus Projekten, Rollen und neuen Kompetenzen. Wer seine Karriereplanung aktiv gestaltet, beobachtet Trends, entwickelt neue Fähigkeiten und überprüft regelmäßig seine Position im Arbeitsmarkt.

Stellen Sie sich daher ruhig eine provokante Frage: Wenn Sie heute noch einmal neu anfangen müssten – würden Sie denselben Karriereweg wählen?

#4: Sichtbarkeit erhöhen

In einer digitalen Arbeitswelt wird Sichtbarkeit immer wichtiger. Recruiter suchen heute häufig direkt in Netzwerken nach Kandidaten. Ein professionelles LinkedIn-Profil, sichtbare Projekte oder regelmäßige Weiterbildung können daher entscheidend sein – besonders bei einer Bewerbung.

Viele Personalabteilungen nutzen inzwischen automatisierte Systeme zur Vorauswahl von Bewerbungen. Wer seine Kompetenzen klar kommuniziert und digitale Profile pflegt, verbessert seine Chancen erheblich.

#5: Mut zur beruflichen Neuorientierung

Der vielleicht wichtigste Karriere-Tipp lautet: Veränderung akzeptieren.

Viele erfolgreiche Lebensläufe bestehen heute aus mehreren Karrieren. Manche wechseln von der Industrie in die Beratung. Andere gehen von der Wissenschaft in Start-ups oder von Konzernen in die Selbstständigkeit. Eine berufliche Neuorientierung ist längst kein Zeichen von Unsicherheit mehr – sondern oft ein Zeichen von Anpassungsfähigkeit. Und dies betrifft vielleicht zunehmend nicht nur den Wechsel der Branche, sondern vermehrt der inhaltlichen Ausrichtung.

Ein Job bleibt sicher

Bei allen Unabwägbarkeiten, denn niemand hat eine Glaskugel, bleibt ein Job sicher: Nennen wir ihn den „Self Development Manager“.

Wer bereit ist, permanent Trends in seinem Job zu analysieren, seine Fähigkeiten regelmäßig weiterzuentwickeln, Weiterbildung zu nutzen und seine Karriere aktiv zu gestalten, wird auch im KI-Zeitalter erfolgreich sein. Bis hin zur Überlegung, was Sie tun wollen, wenn die KI irgendwann in der Zukunft jeden Job erledigt und Staaten ein bedingungsloses Grundeinkommen vergeben. Wofür möchten Sie dann Ihre Zeit produktiv und sinnstiftend nutzen? Oder anders gefragt: Wenn sich die Arbeitswelt ohnehin verändert – warum sollten Sie nicht derjenige sein, der den Wandel für sich nutzt?

Zusammenfassung

Die Karriere im KI-Zeitalter erfordert mehr Eigeninitiative als je zuvor. Mit gezielter beruflicher Weiterentwicklung, kluger Karriereplanung und gegebenenfalls einer mutigen beruflichen Neuorientierung können Arbeitnehmende ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt deutlich verbessern – und ihre nächste Bewerbung erfolgreich gestalten.

Autoreninformation

Die Frankfurter Psychologin Elke Wagenpfeil ist Expertin rund um Job & Karriere und Mitglied bei der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung. Viele Jahre hat sie selbst als Personalerin in einem internationalen Konzern Führungskräfte bei Personalbesetzungen weltweit beraten.

Zukunft der Arbeit: Welche Fähigkeiten jetzt über Beschäftigungssicherheit entscheiden

Von Heidi Steinberger

Die Arbeitswelt befindet sich in einer der tiefgreifendsten Veränderungsphasen der letzten Jahrzehnte. Digitalisierung, Automatisierung und insbesondere die Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz beschleunigen Transformationen, die sowohl Unternehmen als auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor neue Herausforderungen stellen.

In der täglichen Beratung erleben wir, wie groß die Verunsicherung geworden ist. Viele Menschen fragen sich, ob ihre Position in dieser Form bestehen bleibt, ob ihre Kompetenzen künftig noch gefragt sind oder ob sie den Anschluss verlieren könnten.
Diese Sorgen sind nachvollziehbar – und sie sind ernst zu nehmen.

Gleichzeitig zeigt sich aber auch deutlich: Nicht die Technologie bestimmt über Beschäftigungssicherheit, sondern unsere Fähigkeit, uns in dieser neuen Arbeitswelt zu bewegen.

1. Beschäftigungssicherheit entsteht nicht mehr durch Wissen – sondern durch Fähigkeiten

Fachwissen bleibt wichtig. Doch es verliert seine Stabilität: Inhalte, Methoden und Tools verändern sich rasant.
Was bleibt, sind Kompetenzen, die nicht automatisierbar sind und die menschliche Arbeitskraft wertvoll machen.

Zu den zentralen Zukunftsfähigkeiten gehören:

Selbstreflexion und Bewusstheit über die eigenen Stärken

Wer versteht, was er oder sie wirklich gut kann, kann diese Stärken auch in neue Rollen, Branchen oder Themenfelder übertragen.
Jobtitel verändern sich – Kompetenzen bleiben.

Lernfähigkeit und Anpassungsbereitschaft

Die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln, wird zum entscheidenden Faktor beruflicher Stabilität.
Es geht nicht darum, „alles zu können“ – es geht darum, offen zu sein.

Kommunikations- und Beziehungskompetenz

In einer digitalisierten Arbeitswelt wird menschliche Interaktion zur Differenzierungsgröße.
Ob Führung, Zusammenarbeit, Beratung oder Kundenkontakt: Kommunikation bleibt Kernkompetenz.

Problemlösung und Entscheidungsstärke

KI liefert Informationen und Vorschläge – aber Entscheidungen müssen Menschen treffen.
Je komplexer die Arbeitswelt wird, desto wichtiger ist die Fähigkeit, Situationen einzuordnen und Lösungen zu entwickeln.

2. Warum diese Fähigkeiten jetzt wichtiger sind als je zuvor

Viele Tätigkeiten, die über Jahrzehnte stabil waren, verändern sich.
Routineaufgaben werden automatisiert, digitale Prozesse übernehmen wiederkehrende Abläufe, neue Technologien stellen gewohnte Arbeitsweisen infrage.

Doch genau dadurch entsteht ein neuer Raum:
Ein Raum für Aufgaben, die Kreativität, Analyse, Empathie und Verantwortung erfordern.
Ein Raum für Berufe, deren Bedeutung wächst.

In diesem Raum entscheidet nicht der bisherige Lebenslauf über die Zukunft –
sondern die Bereitschaft, eigene Kompetenzen neu zu denken.

 

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Industriebetrieb, der früher fünf Mitarbeitende für manuelle Qualitätskontrollen beschäftigte, nutzt heute KI-gestützte Bilderkennung. Die Anzahl der Prüfungen hat sich erhöht – die manuelle Tätigkeit jedoch reduziert.

Anstatt Stellen abzubauen, wurden die Aufgaben verlagert:

  • Eine Mitarbeiterin mit starkem Prozessverständnis wurde zur „Smart Quality Coordinator“, die die KI-Systeme überwacht, Fehlerbilder bewertet und Verbesserungen im Prozess anstößt.
  • Ein anderer Mitarbeiter entwickelte sich zum „Predictive Maintenance Assistant“, weil er über Jahre ein gutes Gespür für Maschinenzustände entwickelt hatte.
  • Eine Kollegin, die kommunikativ stark ist, übernahm die Schnittstelle zwischen Produktion, Instandhaltung und IT.

Keiner dieser Mitarbeitenden wurde durch KI ersetzt.
Aber alle drei übernahmen neue Rollen – weil ihre Fähigkeiten sichtbar wurden und weil sie bereit waren, sich weiterzuentwickeln.

Dieses Beispiel zeigt:
Es sind nicht zwingend die Tätigkeiten, die „verschwinden“ – es sind die Rollen, die sich verändern.
Wer seine Kompetenzen kennt, bleibt anschlussfähig.

 

3. Was Menschen heute in der Karriereberatung bewegt

In Gesprächen mit Coachees und Jobsuchenden hören wir in der Karriereberatung von drei zentralen Sorgen, die Menschen in beruflichen Veränderungsphasen äußern:

  • „Ich weiß nicht, ob meine Fähigkeiten in Zukunft ausreichen.“

Viele unterschätzen, was sie können – oder sie setzen ihre Stärken ausschließlich mit ihrer bisherigen Position gleich.

  • „Ich fühle mich von der Geschwindigkeit der Veränderungen überfordert.“

Technologie entwickelt sich exponentiell, das eigene Lernen oft nicht.

  • „Ich habe Angst, beruflich an Bedeutung zu verlieren.“

Diese Sorge zieht sich durch alle Altersgruppen.

Gefühle dieser Art sind kein Zeichen von Schwäche, sondern eine nachvollziehbare Reaktion auf eine Welt im rasanten Wandel.
Gerade hier setzt professionelle Karriereberatung an: Sie schafft Orientierung, stärkt Selbstwirksamkeit und eröffnet neue Perspektiven.

 

4. Wie Beratung in Zeiten des Wandels Orientierung geben kann

Die Aufgabe von Karriereberaterinnen und Karriereberatern verändert sich – und sie wird gleichzeitig wichtiger.

Wir beobachten vier wirkungsvolle Hebel:

  1. Kompetenzklärung

Menschen erkennen oft erst im Dialog, wie vielfältig ihr Kompetenzprofil wirklich ist.

  1. Perspektiventwicklung

Beratung unterstützt dabei, neue Rollen, Branchen und berufliche Wege zu identifizieren.

  1. Stärkung der Lern- und Veränderungsbereitschaft

Unsicherheit kann in Gestaltungskraft verwandelt werden – mit der richtigen Begleitung.

  1. Entscheidungsfähigkeit fördern

Veränderung braucht Klarheit. Karriereberatung schafft genau diese Klarheit.

 

5. Mein Fazit: Die Zukunft der Arbeit wird menschlicher – nicht technischer

Der technologische Fortschritt stellt uns vor Herausforderungen.
Aber er eröffnet auch neue Chancen, die wir nur erkennen, wenn wir bereit sind, unsere Kompetenzen neu zu ordnen und unseren beruflichen Weg aktiv zu gestalten.

Beschäftigungssicherheit entsteht heute nicht durch das Festhalten an bestehenden Strukturen, sondern durch die Fähigkeit, sich in neuen Strukturen souverän zu bewegen.

Die DGfK wird diesen Wandel weiterhin begleiten – mit Kompetenz, Haltung und der Überzeugung, dass berufliche Entwicklung ein lebenslanger Prozess ist, der Menschen stärkt und befähigt.

Autoreninformation

Heidi Steinberger ist Personalberaterin, Karriereberaterin und Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung e.V. (DGfK). Seit über 30 Jahren begleitet sie Fach- und Führungskräfte in beruflichen Veränderungsprozessen, unterstützt Unternehmen in der Suche von Arbeitskräften durch Direktansprache und setzt sich für die Professionalisierung der Karriereberatung in Deutschland ein.

Jobs der Zukunft

Ein Interview von unserem Mitglied Doris Brenner mit Hartwin Maas

Durch einen Beitrag bin ich auf Hartwin Maas, Zukunftsforscher und Mitbegründer des Instituts für Generationenforschung (www.generation-thinking.de) gestoßen, in dem er die These aufstellte, dass von den heute geborenen Kindern, 65% in Jobs arbeiten werden, die es heute noch nicht gibt. Diese Prognose ist insbesondere für die Karriereberatung von hoher Relevanz, wenn wir unsere Kunden auch auf dem Weg in den zukünftigen Arbeitsmarkt kompetent begleiten wollen.

Doris Brenner: Herr Maas, Sie stellen die These auf, dass von den heute geborenen Kindern 65% in Jobs arbeiten werden, die es heute noch nicht gibt? Wie kommen Sie zu dieser Aussage?

Hartwin Maas: In den letzten zwanzig Jahren haben sich schon sehr viele neue Jobs entwickelt und Tätigkeitsprofile stark geändert. Beispielsweise, neben Modifizierungen in den Ausbildungsberufen gibt es seitdem ca. 24 Neue. In den nächsten 25 Jahren werden neue Berufsfelder entstehen, die durch technologische, ökologische, demografische und gesellschaftliche Veränderungen angetrieben werden. Technologische Veränderung passiert nicht mehr linear, sondern exponentiell. Bis 2050 werden Berufe verschwinden und 65 % der heute geborenen Kinder könnten in der Tat in Jobs arbeiten, die noch gar nicht existieren.

Ich kann jedoch die Angst vor KI als Jobvernichter nehmen, denn KI wird einzelne Aufgaben übernehmen, nicht aber einen ganzen Beruf. Letztendlich werden durch Automatisierung und KI in sämtlichen Bereichen bis 2030 deutlich mehr Jobs geschaffen als vernichtet. Es wird ein Nettobeschäftigungszuwachs von 7 % geben.

Doris Brenner: Welche Jobs werden das sein?

Hartwin Maas: Neue Berufsfelder sind oft eine Verkettung von vielen Änderungen. Sie entstehen beispielsweise durch den Klimawandel im Nachhaltigkeitsbereich. Es wird neue Berufe in der Kreislaufwirtschaft, neue Formen der Landwirtschaft oder im Kohlenstoffhandel geben. Durch die alternde Bevölkerung und die damit einhergehende Zunahme altersbedingter Krankheiten werden Berufe in der Biotechnologie, Bioinformatik für personalisierte Medizin, Klontechnologie oder Longevity Coaches gefragt werden. Zurzeit fließen viele Gelder in die Weltraumtechnologie, hier könnte es neue Berufsfelder bzgl. Mond- und Marsmissionen geben. Die Anwendung von KI-Systemen, Robotik und Automatisierung in allen Bereichen könnte Berufsfelder wie Digital Twin Designer, KI Trainer, Ethik-Auditor für KI ergeben.

Doris Brenner: Was werden aus Ihrer Sicht die zentralen Anforderungen dieser zukünftigen Jobs sein?

Hartwin Maas: Die Anforderungen an bereichsübergreifendes Handeln und die Kommunikation auf unterschiedlichen Kanälen werden weiter zunehmen. In vielen Bereichen ist eine zunehmende Komplexität und Parallelisierung der Aufgaben zu beobachten. „KI-Kompetenzen“ werden als wünschenswerte Zusatzqualifikation betrachtet werden. Dabei geht es nicht nur um die stumpfe Anwendung, sondern eine Technik einzusetzen für effektives Arbeiten auf höherem Niveau. Hierbei ist insbesondere der Begriff der „Digital Literacy“ zu nennen: Die Fähigkeit, in unterschiedlichen digitalen Schriftquellen Zusammenhänge zu erkennen, diese zu verstehen, zu interpretieren und sinnvoll für sich zu nutzen. Hinzu kommen weitere Fähigkeiten, wie jene, Veränderungen wahrzunehmen und zu bewältigen, oder die Ambiguitätstoleranz, d. h. die Fähigkeit, mit Ungewissheiten und Widersprüchen konstruktiv umzugehen. Auch Selbstorganisation und kritisches Denken werden zunehmend relevanter werden.

Doris Brenner: Wie können sich heutige Arbeitnehmer am besten auf diese zukünftigen Anforderungen vorbereiten bzw. weiterbilden?

Hartwin Maas: Die Anpassungsfähigkeit der Arbeitnehmer an technologische Veränderungen wird entscheidend sein. Die Anzahl an Menschen, die sich nun zwangsläufig fortbilden muss, wird erheblich mehr werden. Das Konzept des lebenslangen Lernens und Upskilling wird mehr als ein Trend sein. Upskilling ist entscheidend für den Erfolg. Es hilft nicht nur den eigentlichen Job besser zu machen, sondern auch relevanter und wettbewerbsfähig in einem anspruchsvollen Arbeitsmarkt zu bleiben und sich zu bemühen, mit der anhaltenden und rasanten technologischen Revolution Schritt zu halten. Zurzeit trifft es vor allem die Älteren. Deshalb rate ich Unternehmen verstärkt in die älteren Generationen zu investieren.

Doris Brenner: Sehen Sie internationale Unterschiede im Hinblick auf die zukünftige Jobs? Und wenn ja, wo werden in Deutschland bzw. Europa die Schwerpunkte liegen?

Hartwin Maas: In den Jobs sehe ich nicht unbedingt internationale Unterschiede, eher im Datenverständnis, in der Flexibilität und Haltung zur Arbeit. In anderen Ländern, wie Ägypten, Indien, Ruanda scheinen beispielsweise Nachwuchskräfte durchaus ambitionierter zu sein und nutzen die technologischen Entwicklungen als Chance. Die breite KI-Nutzung ändert auch die Jobqualifikationen. In Indien und USA beispielsweise fragen Arbeitgeber zunehmend mehr nach den Fähigkeiten als nach dem Abschluss. In Deutschland wird uns die Überakademisierung auch auf die Füße fallen, da der akademische Abschluss an Aussagekraft und Ansehen verliert. Obwohl Deutschland bei technologischen, ökologischen, demografischen und gesellschaftlichen Veränderungen träge oder zumindest zurückhaltend zu sein scheint, ist es noch die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt nach den USA und China und die größte in Europa.

Wir sind nach wie vor Spitzenreiter in der KI-Grundlagenforschung, Quantencomputing und Lasertechnik, dies sollte forciert werden und Forschung und Wirtschaft mehr verzahnt werden, damit es auch in Zukunft ein Schwerpunkt bleibt. In der Anzahl der Datenzentren ist Deutschland weltweit auf Platz zwei. Zudem verfügt Deutschland über die meisten Hidden Champions, wie im Bereich Spezialmaschinenbau, Klimatechnik, Druckluftsysteme, Landmaschinen, Gartengeräte und vieles mehr, die in ihrer Nische oft unbemerkt, aber global führend sind.

Doris Brenner: Herr Maas haben Sie vielen Dank für dieses Interview und Ihre Einschätzung.

Autoreninformation

Doris Brenner ist Wirtschaftswissenschaftlerin mit langjähriger Erfahrung in Fach- und Führungspositionen in der Industrie. Als Karriereberaterin und systemischer Coach hat sie u.a. zahlreiche (Nachwuchs)-Wissenschaftler in Karriereentscheidungen unterstützt und begleitet. Doris Brenner ist Initiatorin und Gründungsvorstand der DGfK Deutsche Gesellschaft für Karriereberatung e.V.