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Homeoffice bleibt – aber nicht mehr grenzenlos

Von Doris Brenner

Worauf Arbeitnehmer sich jetzt einstellen müssen

Viele Beschäftigte haben sich in den vergangenen Jahren an maximale Flexibilität gewöhnt. Arbeiten von zu Hause, weniger Pendelzeit, mehr Freiheit bei der Tagesgestaltung – für viele Arbeitnehmer wurde das Homeoffice schnell zum neuen Standard. Doch inzwischen zeigt sich deutlich: Die Erwartung, dauerhaft zu 100 Prozent remote arbeiten zu können, entspricht in vielen Unternehmen nicht mehr der Realität.

Arbeitgeber holen ihre Mitarbeitenden zunehmend zurück ins Büro. Große Konzerne führen wieder verbindliche Präsenztage ein, manche Unternehmen verschärfen ihre Regeln sogar deutlich. Für Arbeitnehmer bedeutet das vor allem eines: Wer langfristig flexibel arbeiten möchte, muss sich auf neue Spielregeln einstellen.

Dabei verschwindet das Homeoffice keineswegs. Laut dem ifo-Institut arbeiteten Anfang 2025 weiterhin rund 24,5 Prozent der Beschäftigten zumindest teilweise von zu Hause aus. Die Entwicklung zeigt aber, dass vollständiges Remote-Arbeiten die Ausnahme bleibt.

Für Arbeitnehmer lohnt es sich deshalb, die eigene Erwartungshaltung anzupassen. Wer heute einen neuen Job sucht, sollte nicht automatisch davon ausgehen, dauerhaft ausschließlich im Homeoffice arbeiten zu können – selbst dann nicht, wenn Stellenanzeigen zunächst große Flexibilität versprechen. In vielen Unternehmen bedeutet „flexibles Arbeiten“ inzwischen vor allem hybride Modelle: zwei oder drei Tage Homeoffice, dazu feste Bürozeiten.

Wichtig ist außerdem, die Perspektive der Arbeitgeber zu verstehen. Viele Unternehmen argumentieren, dass persönliche Zusammenarbeit wieder wichtiger geworden sei – etwa für kreative Prozesse, die Einarbeitung neuer Kollegen oder den Teamzusammenhalt. Gerade Berufseinsteiger merken häufig selbst, dass reine Remote-Arbeit Nachteile haben kann: spontane Rückfragen entfallen, Kontakte entstehen langsamer und Sichtbarkeit im Unternehmen wird schwieriger.

Für Arbeitnehmer wird deshalb zunehmend entscheidend, wie sie mit dieser Entwicklung umgehen. Wer flexibel bleiben möchte, sollte frühzeitig klare Absprachen treffen und Homeoffice-Regelungen möglichst schriftlich festhalten. Denn ein gesetzlicher Anspruch auf dauerhaftes Arbeiten von zu Hause besteht in Deutschland weiterhin nicht.

Zugleich kann Präsenz im Büro auch Vorteile bringen. Sichtbarkeit bei Führungskräften, bessere Vernetzung und schnellere Karrierechancen spielen in vielen Unternehmen weiterhin eine große Rolle. Beschäftigte sollten deshalb vermeiden, Homeoffice ausschließlich als gewonnenes Freiheitsrecht zu betrachten. In wirtschaftlich schwierigeren Zeiten verschiebt sich in vielen Branchen das Kräfteverhältnis auf dem Arbeitsmarkt ohnehin wieder stärker zugunsten der Arbeitgeber.

Für Arbeitnehmer bedeutet das vor allem: Homeoffice bleibt ein wichtiger Vorteil, sollte aber realistisch betrachtet werden. Wer bereit ist, Flexibilität in beide Richtungen zu akzeptieren, wird langfristig meist bessere Chancen haben als Beschäftigte, die auf vollständiger Remote-Arbeit bestehen.

Dieser Artikel wurde KI-unterstützt, aber mit „Human in the loop“, erstellt.

Autoreninformation

Doris Brenner, Initiatorin und Gründungsvorstand der DGfK Deutsche Gesellschaft für Karriereberatung e.V. arbeitet als Karriereberaterin und Coach.

Karriere und Gesundheit – Raus aus der Erschöpfung

Von Hans-Georg Willmann

Wege zu mehr Energie und Lebensqualität

Studien zeigen, dass sich über die Hälfte der Menschen in Deutschland dauerhaft überlastet und erschöpft fühlen (vgl. u.a. TK-Stressreport 2025[1]). Es beginnt meistens schleichend: morgens schwerer aus dem Bett kommen als sonst. Die Kaffeemenge steigt. Die Geduld sinkt. Das Wochenende reicht kaum aus, um runterzufahren – von regenerieren ganz zu schweigen. Viele Menschen, die in Beratung oder Coaching kommen, beschreiben genau diesen Zustand. Sie sind nicht krank genug für eine Auszeit, aber längst nicht mehr wirklich leistungsfähig. Sie funktionieren und sie sind erschöpft.

Erschöpfung ist eine physiologische und psychologische Reaktion auf anhaltende Überlastung und ein Signal, das ernst genommen werden will. Die gute Nachricht: Es gibt wirksame Wege raus aus der Erschöpfung, zurück zu mehr Energie und Lebensqualität. Sie verlangen allerdings mehr als einen freien Sonntag. Erschöpfung entsteht nicht über Nacht und verschwindet auch nicht über Nacht. Sie braucht Zeit, Aufmerksamkeit und oft auch strukturelle Veränderungen. Hier liegt die Chance von Coaching als einem zentralen Präventionsinstrument gegen Burnout. Dieser Beitrag zeigt drei Ansatzpunkte für die Stärkung der Selbstregulationsfähigkeit erschöpfter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Stärkung der Selbstregulationsfähigkeit

Ein Coaching ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Die sorgfältige Abklärung behandlungsbedürftiger Symptome sowie ggf. die professionelle Weiterverweisung gehören zur Verantwortung eines Coaches. Das Ziel im Coaching ist es, Coachees dabei zu unterstützen, ihre funktionale Selbstregulation wiederherzustellen.

(1) Erschöpfung akzeptieren und verstehen

Im ersten Schritt geht es darum ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Erschöpfung kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Signal des Körpers ist, dass eine anhaltende physiologische und psychologische Überlastung stattfindet. Kurz: Es wird dauerhaft mehr Energie verbraucht, als zur Verfügung steht. Im Coaching lohnt sich die Arbeit mit einem Energietagebuch. Coachees notieren über eine Woche hinweg, welche Aktivitäten,

Begegnungen und Situationen sie belasten, aber auch, wodurch wieder Energie gewonnen wird. Nicht jede Tätigkeit kostet gleich viel Energie und nicht jede Pause lädt gleich gut auf. Die Ergebnisse sind oft überraschend. Oftmals sind es nicht die Aufgaben, die auslaugen, sondern ungeklärte Beziehungen, permanente Erreichbarkeit oder das Gefühl, nie fertig zu sein. Hier kommen innere Denk- und Verhaltensmuster ins Spiel.

(2) Eigene Denk- und Verhaltensmuster reflektieren

Im zweiten Schritt verschiebt sich der Fokus von außen zu den Denk- und Verhaltensmustern. Unter der Oberfläche wirken oft starke innere Regeln wie zum Beispiel: „Ich darf andere nicht enttäuschen“, „Ich darf keine Fehler machen“ oder „Ich muss alles unter Kontrolle haben.“, die den Umgang mit äußeren Anforderungen steuern. Die inneren Antreiber erhöhen den Energieeinsatz unabhängig von der objektiven Situation und können aus hoher Belastung chronische Überforderung machen. Im Coaching lohnt sich die Arbeit mit gezielten Fragen. „Wo übergehen Sie regelmäßig Ihre Grenzen?“, „Was befürchten Sie, wenn Sie Nein sagen?“, „Was treibt Sie an, obwohl Sie müde sind?“, etc. Viele Coachees erkennen erst im Coaching, wie stark sie von inneren Denkmustern gesteuert werden. Hier entsteht neue Handlungsfähigkeit. Denn Denk- und Verhaltensmuster, die wir gelernt haben, die früher vielleicht einmal nützlich waren, heute jedoch die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität blockieren, können verändert werden.

(3) Energiemanagement im Alltag

Im dritten Schritt wird das erschöpfende Zusammenspiel von äußeren Belastungen, wie zum Beispiel hohe Arbeitsdichte, Zeitdruck, Verantwortung, emotionale Belastung, Rollenkonflikte, dauernde Erreichbarkeit, etc. und dem Umgang mit diesen Belastungen, beispielsweise fehlende Pausen, unklare Grenzen, permanentes Reagieren statt Priorisieren, schlechte Regenerationsqualität, kein bewusster Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung, etc. deutlich. Viele Menschen haben nie gelernt, Energie aktiv zu steuern. Sie arbeiten, bis sie nicht mehr können, und versuchen dann, sich irgendwie zu erholen. Doch das reicht auf Dauer nicht. Im Coaching lohnt sich die Arbeit auf zwei Ebenen: Erstens Selbstmanagementtechniken trainieren, mit denen es leichter gelingt zu priorisieren, bewusst zu regenerieren, sich selbst emotional zu regulieren und Grenzen zu setzen. Und zweitens die Arbeit an Glaubenssätzen, um innere Antreibergedanken (wie z.B. „Ich muss immer stark sein!“) durch alternative, hilfreiche Gedanken zu ersetzen. Auf diesen beiden Ebenen fängt ein bewusstes Energiemanagement im Alltag an. Dadurch wird es Coachees möglich, äußere Anforderungen, die Energie kosten und Aktivitäten, um wieder Energie zu gewinnen, bewusst zu steuern. Das ist der Weg, um nachhaltig aus der Erschöpfung heraus und zu mehr Energie und Lebensqualität zu gelangen und gleichzeitig große Ziele zu verwirklichen und der Verantwortung in der Welt gerecht zu werden.

Fazit

Oft sind es nicht nur äußere Anforderungen allein, die erschöpfen, sondern das Zusammenspiel von Anforderungen und inneren Antreibern, die den Umgang mit den Anforderungen steuern. Es gibt viele wirksame Tipps und Tricks, die helfen, um sich selbst besser zu managen und sich wirklich zu erholen. Von ’A‘ wie Achtsamkeit bis ’Z‘ wie Zeitmanagement. Der zentrale Faktor, der bestimmt, ob wir es uns überhaupt erlauben und uns auch trauen, z.B. Grenzen zu setzen, indem wir öfter „Nein“ sagen, oder eine Pause einplanen, um uns zu erholen, sind unsere inneren Antreiber. Sie zu erkennen, zu benennen und zu verändern ist der Anfang der Selbstregulation und damit die Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit, um aus der Erschöpfungsspiral rauszukommen.

 

Quellenhinweis:

[1] Stressreport der Techniker Krankenkasse 2025: https://www.tk.de/presse/themen/praevention/gesundheitsstudien/stressreport-2025-2206714?tkcm=aaus

Autoreninformation

Hans-Georg Willmann ist Diplom-Psychologe und hat sich als zertifizierter Coach auf die Beratung von Menschen in beruflichen Veränderungssituationen und Krisen spezialisiert. Zudem schreibt er Bücher zur persönlichen Entwicklung. Er ist seit 2003 Mitglied der Deutschen Karriereberatung e.V. und lebt seit 2016 in Australien.

Es braucht Ohnmachtskompetenz um in der Unordentlichkeit der Welt handlungsfähig zu bleiben

Von Brigitte Scheidt

Haben Sie auch das Gefühl, früher war die Welt einfacher, es wird immer komplizierter und komplexer? Wenn Sie das bejahen, haben Sie vermutlich recht. Krisen, Kriege, Katastrophen, Klima, KI – Fluch oder Segen – der gesellschaftliche Zusammenhalt wird weniger, autoritäres Denken nimmt zu, der Planungshorizont in Wirtschaft und Politik wird zwangsläufig kürzer. Das Gefühl von Unsicherheit macht sich breit. „Ich kann es nicht mehr hören, ich mag die Nachrichten nur noch portionsweise aufnehmen.“, sagen uns Klienten. „Change is always a mess“ und Veränderungen sind immer auch anstrengend. Das war schon immer so. Jetzt verlaufen die Prozesse aber disruptiv, plötzlich und wenig kalkulierbar. Sprachen wir vor wenigen Jahren noch von der VUCA-Welt (volatility, uncertainty, complexity und ambiguity), so kennzeichnet das englische Akronym BANI die Veränderung hin zu einer Welt, die durch Brüchigkeit, Angst, Nicht-Linearität und Unbegreiflichkeit gekennzeichnet ist. Dies macht etwas mit uns Menschen.

Sich verunsichert bis ohnmächtig zu fühlen, führt zu mangelnder innerer und auch äußerer Stabilität. Die innere Orientierung ist verloren gegangen und damit auch projektive Zugehörigkeiten. Gerade Corona oder auch der Brexit haben gezeigt, wie schnell Zusammengehörigkeit zerbrechen kann, wenn die Grundkonfluenz nicht mehr gegeben ist, in Hinsicht auf gemeinsame Vorstellungen und Verbindlichkeiten.

Wir wissen in vielem nicht (mehr) Bescheid, Orientierung fehlt. Es gibt weniger, worauf wir uns (noch) verlassen können. Selbstverständlichkeiten werden in Frage gestellt, Berufe und Kenntnisse verlieren in kurzer Zeit ihre Bedeutung. So kommt beispielsweise eine DIW-Studie (DIW Newsletter 28.08.2024) nach Auswertung von über einer Million ausgeschriebener Aufträge für Freiberufler*innen auf Online-Plattformen zum Ergebnis, dass die Nachfrage nach digitalen, automatisierungsanfälligen Aufträgen im Durchschnitt acht Monate nach Einführung von ChatGPT um ein Fünftel zurückgegangen ist. Diese Umwälzungen betreffen natürlich nicht nur Freiberufler, sondern analog auch qualifizierte Angestellte. Auch in den Betrieben schreiten die großen Transformationen voran – nur welche ist jeweils die Richtige?

Im Rahmen dieses Karrierespots kann das Thema nur angerissen werden und es geht auch nicht darum, Katastrophendenken heraufzubeschwören, sondern Anregungen zu geben: Wie geht man mit und in Situationen um, die durch Unschärfe und Nichtwissen gekennzeichnet sind?

Was passiert mit uns?

Unsere eigenen gängigen Erwartungen an Planung und Vorhersehbarkeit, unser bisheriger Umgang mit Problemen greifen immer weniger – und das gilt für alle (Hierarchie-) Ebenen, denn die alten Antworten und Methoden sind angesichts der Herausforderungen in Frage gestellt. Dies ist u.a. auch kränkend, weil erworbenes Wissen und vertiefte Fähigkeiten durch die neuen Anforderungen entwertet werden. Selbstbilder werden stark angekratzt, ich wusste und musste immer Bescheid wissen und nun stehe ich ratlos herum. Niemand weiß, wie die Welt in zwei oder fünf Jahren sein wird, wirtschaftlich, geopolitisch, politisch und sozial. Und dies alles wirkt verunsichernd bzw. macht hilflos – und wie wir alle wissen, gehen Menschen mit Hilflosigkeit und Ohnmachtsgefühlen sehr unterschiedlich um.

Unsere Welt ist ungeübt in der Ohnmachtskompetenz.

Es gilt zu lernen, mit der eigenen Verunsicherung und den damit einhergehenden Gefühlen positiv umzugehen, um unter Berücksichtigung der Besonderheit der einzelnen Person handlungsfähig zu bleiben oder zu werden. Wir müssen dazu Ohnmachtskompetenz entwickeln. Wenn es die neue Normalität ist, dass wir einfach nicht Bescheid wissen können und dass beispielsweise langfristige Planung und auch manche Prozesse schnell wieder hinfällig werden, dann ist Ohnmachtskompetenz meines Erachtens ein vielversprechender Weg, um wieder Selbstwirksamkeit zu spüren. Dafür gibt es verschiedene Schritte, die ich hier kurz skizziere.

Mustererkennung

Um Ohnmachtskompetenz bewusst zu gewinnen hilft es, sich mit den eigenen Mustern auseinanderzusetzen. Ich kann nur etwas ändern, dessen ich gewahr bin.

Es hilft, schon mal das Klagen, dass es so ist wie es ist, einzustellen bzw. zu begrenzen. Dinge sind im Fluss und ändern sich schnell. Der Wunsch nach Routinen und klaren Prozessen ist verständlich aber für diese sich schnell ändernde Welt nicht passend. Daher, was kann man tun, um sich in dieser unordentlichen Welt so zu verhalten, dass es einem gut geht und man agieren kann?

Am Anfang hilft wie immer eine Bestandsanalyse:

Dazu kann man untersuchen, wie gehe ich mit meinen Unsicherheits- bzw. Ohnmachtsgefühlen um. Also, was mache ich üblicherweise wie per Autopilot, wenn ich nicht weiterweiß?

Neige ich dazu, etwas zu machen, um wieder Selbstwirksamkeit zu gewinnen? Vermeide ich? Werde ich aggressiv? Trinke ich mich zu? Tanze ich die Nächte durch? Informiere ich mich, denken Sie an den Corona-Podcast von Drosten? Suche ich Menschen, mit denen ich klagen kann? Suche ich Rat bei anderen? Feiere ich, denn es kann immer mal das letzte Fest sein? Usw.!

Menschen haben, bewusst oder unbewusst, unterschiedliche Strategien, um Ohnmachtsgefühle zu reduzieren oder nicht zu spüren. Im Hintergrund kann man meist weitere Gefühle wie Scham, Ärger, Enttäuschung über sich oder/und die anderen entdecken.

Auf das agile Mindset kommt es an

Mehr Wissen über Situationen hilft in der Regel, doch es kommt besonders auf das Mindset der Handelnden an und damit auf die Person. Neben der Identifizierung der eigenen Muster gilt es, sich den eigenen (negativen) Gefühlen zu stellen. Das könnte z.B. heißen: Ja, auch ich als Entscheider:in habe Angst und ich fühle mich schlecht, weil ich keine Antwort weiß. Es ist zentral, die eigenen Gefühle zuzulassen und anzunehmen, und auch „gnädig“ und geduldig mit sich zu sein.

Wenn Sie sich mit dem Thema Ohnmachtskompetenz vertiefter auseinandersetzen wollen, dann sind Sie als Person direkt gefragt. Uns bleibt nur, eine eigene Orientierung zu entwickeln, um mit Nichtwissen und Unschärfen in dieser BANI-Welt umzugehen. Es geht nicht darum, es „richtig“ zu tun, sondern das – nach den eigenen Kriterien – Richtige und immer wieder auf Sicht zu fahren. So sind wir in der Lage, unter Unsicherheit zu entscheiden und gegenüber Dritten und uns selbst dazu zu stehen.

Sich zu kennen und die eigenen Annahmen zu hinterfragen, immer wieder reflexive Schleifen ins Handeln einzubauen, sind dafür Voraussetzungen. So bildet sich nach und nach ein agiles Mindset aus, das es ermöglicht, flexibel und situativ auf sich ständig verändernde Gegebenheiten zu reagieren.

Erste hilfreiche Fragen, um das Augenmerk auf sich selbst zu richten, können für den Anfang sein:

  •  Wie treffe ich meine Entscheidung?
  •  Was sind meine Kriterien und wodurch und durch wen sind sie bestimmt?
  •  Was sind meine handlungsanleitenden Werte?
  •  Sind es wirklich meine eigenen Werte?

 Wie kann ich meine Muster verändern

Um Selbstwirksamkeit und Handlungsfähigkeit zu erreichen, ist es in Zeiten von Orientierungslosigkeit hilfreich, wie schon angerissen, bei sich anzufangen. Fragen Sie sich: Was tut mir gut? Wirklich gut!

Nachdem Sie Ihre Muster identifiziert haben, stellt sich die Herausforderung: Also was könnte ich an meinem Verhalten ablegen, verändern, an neuen Verhaltensweisen riskieren?

Dazu ist es meist hilfreich sich umzutun und zu schauen, wie gehen andere mit ihrem Nichtwissen, mit Unschärfen um. Was könnte ich gut gebrauchen, mir abgucken, zum Vorbild nehmen?

Neben ggf. der Einführung von Entspannungstechniken und der Vertiefung von Selbstberuhigungsfähigkeiten, könnten Sie entdecken, dass Andere ganz bewusst die eigenen Annahmen hinterfragen. Manche stellen sich immer wieder die Frage, wie kann ich etwas auch sehen (Perspektivwechsel). Andere denken Dinge gegen den Strich, manch einer baut auf Schwarmintelligenz, teilt Probleme mit anderen. Es gibt viele weitere Strategien im Umgang mit sich in der BANI-Welt. Entdecken Sie, was Sie unterstützt. Fangen Sie mit ein oder zwei Aspekten an, die Sie ansprechen. Bedenken Sie: Neues zu integrieren braucht Zeit. Machen Sie Ihre Erfahrungen, werten Sie diese aus, gönnen Sie sich, (sich) auszuprobieren. Was dann trägt, gilt es durch Wiederholungen zu verfestigen.

Autoreninformation

Die Diplompsychologin und Psychologische Psychotherapeutin Brigitte Scheidt ist langjähriges Mitglied der DGfK e.V. Sie berät Menschen bei beruflicher Neu- und Umorientierung.

Buch „25 letzte Sommer“ von Stephan Schäfer

Von Doris Brenner

Als Karriereberaterin erlebe ich viele Kunden, die auf der Suche nach einem sinnhaften Leben sind, in dem auch die Arbeit einen harmonischen Bestandteil darstellt.
Daher empfehle ich gerne 25 letzte Sommer von Stephan Schäfer als leichte Sommerlektüre mit Tiefgang – für alle, die sich genussvolle Impulse für ihre persönliche Balance wünschen.

>> Sommerzeit, Urlaubszeit, da greift man doch gerne auch mal zu einem Buch, das nicht im klassischen Sinne Fachliteratur ist. Und doch hat Stephan Schäfer mit „25 letzte Sommer“ mehr geschrieben als ein Buch das Zerstreuung bringt. Stephan Schäfers „25 letzte Sommer“ ist ein fesselndes und tiefgründiges Werk, das den Leser auf eine emotionale Reise mitnimmt. In unserer Welt, die oft von Hektik und Stress geprägt ist, bietet dieses Buch eine willkommene Gelegenheit zur Reflexion und Selbstfindung.

Die Erzählung dreht sich um die Suche nach persönlicher Balance und dem Streben nach einem erfüllten Leben. Am Küchentisch eines alten Bauernhauses kommen Max, ein von vielen beruflichen Sachzwängen Getriebener und Karl, der Tag für Tag Kartoffeln sortiert ins Gespräch und teilen ihre Lebensgeschichten miteinander. Schäfer gelingt es meisterhaft, die inneren Konflikte seiner Protagonisten darzustellen, während sie sich mit den Herausforderungen des Lebens auseinandersetzen. Die Geschichte ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch lehrreich und inspirierend. Sie lädt dazu ein, über die eigenen Prioritäten nachzudenken und die eigene Lebensweise zu hinterfragen.

Besonders hervorzuheben ist der einfühlsame Schreibstil des Autors. Seine bildhaften Beschreibungen und emotionalen Einblicke schaffen eine Verbindung zwischen den Charakteren und dem Leser und man erkennt sich in einigen der dargestellten Herausforderungen wieder.

Für Menschen, die auf der Suche nach ihrer persönlichen Balance sind, bietet „25 letzte Sommer“ wertvolle Anregungen und Denkanstöße. Das Buch ermutigt dazu, innezuhalten, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu erkennen und aktiv an der Gestaltung des eigenen Lebens zu arbeiten. Es ist ein Leitfaden für alle, die lernen möchten, wie man im hektischen Alltag Momente der Ruhe findet und das Wesentliche im Leben schätzt.

Insgesamt ist „25 letzte Sommer“ ein bereicherndes Leseerlebnis, das sowohl unterhält als auch zum Nachdenken anregt. Daher ist es auch eine wertvolle Lektüre für Karriereberater zum Selbstlesen und zur Weiterempfehlung an ihre Beratungskunden. Denn es öffnet die Gedanken, um aus der Routine auszubrechen und über Alternativen nachzudenken.

Autoreninformation

Doris Brenner, Initiatorin und Gründungsvorstand der DGfK, arbeitet als Karriereberaterin, Personalentwicklerin und Coach.
www.karriereabc.de

Karriere und Work-Life Balance

Von Hans-Georg Willmann

Laut aktuellen Umfragen (Gallup 2023) wünschen sich besonders jüngere Menschen kürzere Arbeitszeiten und mehr Freizeit und damit eine bessere Work-Life Balance bei gleichzeitig verantwortungsvoller Position und höherem Gehalt, also einer Karriere. Doch ist Karriere und Work-Life-Balance überhaupt möglich – und wenn ja, wie?

(1) Begriffsklärung

Was ist Karriere? Was verstehen man unter Work-Life Balance? Der Versuch einer Begriffsklärung.

Karriere: Umgangssprachlich bezeichnet der Begriff einen beruflichen Aufstieg, einen Weg nach oben, und wird häufig verbunden mit Veränderung der Qualifikation und Dienststellung sowie einem wirtschaftlichen und / oder sozialen Aufstieg. Karriere bedeutet jedoch nicht zwingend einen Aufstieg. Im Wortsinn versteht man unter Karriere die persönliche Laufbahn eines Menschen in seinem Berufsleben und damit jede Stellenfolge einer Person bei einem oder mehreren, aufeinanderfolgenden Arbeitgebern.

Work-Life Balance: Umgangssprachlich bezeichnet der Begriff einen Zustand, in dem eine Person die Anforderungen des Arbeitslebens mit denen des Privatlebens in ein gesundes Gleichgewicht bringt. Als Maßeinheit für das Gleichgewicht wird häufig die Zeit gewählt: Die Zeit, die wir für unsere Arbeit einsetzen vs. die Zeit, die uns für unser Privatleben zur Verfügung steht. Zur Aufrechterhaltung einer Work-Life Balance spielen Aspekte wie flexible Arbeitszeit und Homeoffice, Autonomie und Sinnerleben eine zunehmend wichtige Rolle.

Tipp: Die Begriffe Karriere und Work-Life Balance sind nur schwer allgemeingültig zu fassen. Jeder Übergang von einer Stelle zu einer anderen, gleichgültig, ob es sich dabei um einen Einstieg, Umstieg, Quereinstieg oder Aufstieg handelt, stellt individuell einen Karriereschritt dar. Gleichgültig, wie hoch die Belastung am Arbeitsplatz, z.B. bezogen auf Zeiteinsatz, Anzahl der zu treffenden Entscheidungen, mögliche Konsequenzen einer Entscheidung, Verantwortungsvolumen für Personal oder Finanzen, Komplexität von Aufgabenstellungen, etc. sein mögen, solange die individuelle Belastungssteuerung funktioniert und ein persönliches Sinnerleben vorhanden ist, ist eine Work-Life Balance auch bei hoher Belastung möglich.

(2) Persönliche Standort-Ziel Klärung

Ein entspannter Job und ein ausgeglichenes Privatleben zwischen Freunden, Hobbys, Sport und Entspannung – rund 61 Prozent der jüngeren Menschen sagen, dass sie keinen Job annehmen würden, der keine ausgewogene Work-Life Balance bietet. Ebenso versprechen viele Arbeitgeber im Zuge des Employer Branding in ihren Stellenanzeigen die Aussicht auf eine gute Work-Life Balance. Doch wer ist eigentlich für die Work-Life Balance verantwortlich? Brücken bauen: Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer stehen in der Verantwortung, wenn es darum geht, Arbeit und Privatleben auszubalancieren.

 

Arbeitgeber Maßnahmen

Arbeitnehmer Maßnahmen

Flexible Arbeitszeiten

Standort-Ziel Klärung (Was will und kann ich?)

Teilzeitarbeitsmodelle

Klare Tages-, Wochen und Lebensziele setzen

Mobiles Arbeiten (Homeoffice, remote work, …)

Selbst- und Zeitmanagement

Zuschüsse zu Kitas, Betriebskindergarten, …

Ausgleich suchen (Sport, Hobbys, Freunde, …)

Führung, die auf Vertrauen beruht

Selbstverantwortung und -führung übernehmen

Organisation der Arbeit(-sabläufe)

Einen passenden Arbeitgeber wählen

Vereinbarungen zur Erreichbarkeit treffen

Eine passende Arbeitsstelle wählen

Tipp: Work-Life Balance ist kein vollkommener, für immer erreichter Zustand des Gleichgewichts. Über die verschiedenen Lebensphasen und Stationen in unserer Karriere hinweg ist es unmöglich, dass beide Bereiche – Leben und Arbeit – gleich stark verteilt sind oder täglich gleich viel Aufmerksamkeit erhalten. Viel hilfreicher ist es, nach einer ganzheitlichen Lebensbalance zu streben, indem wir die Verteilung unserer Zeit und Energie individuell und bewusst nach unseren Wünschen und Zielen gestalten.

(3) Aus dem Gleichgewicht

Es ist vollkommen normal, im Laufe seines Berufslebens mehr oder weniger häufig aus dem Work-Life Gleichgewicht bzw. der Lebensbalance zu geraten. Nimmt jedoch das Gefühl überhand, dass das Leben nur noch aus Arbeit besteht, ist es Zeit aktiv zu werden. Ein Self-Check-in hilft dabei, Stellschrauben zu erkennen, an denen man drehen kann. Hier ist eine Checkliste mit einfachen Fragen dafür: 

Checkliste Lebensbalance

 

1.     Wie viele Überstunden mache ich pro Woche?

 

2.     Wie oft halte ich pro Woche den Feierabend nicht ein?

 

3.     Wie viel Zeit nehme ich mir wöchentlich für meine Familie / Freunde?

 

4.     Wie oft bewege ich mich pro Woche?

 

5.     Was sind meine größten Zeitfresser in der Arbeit und auch privat?

 

6.     Wie groß ist aktuell mein empfundener Leistungsdruck?

 

7.     Was macht meine Arbeit sinnvoll für mich?

 

8.     Wie groß ist aktuell mein empfundener Jobfrust?

 

9.     Wofür wünsche ich mir mehr Zeit und Energie?

 

10.   Wenn ich könnte, wie ich wollte, dann würde ich …

 

Bestätigt der Self-Check-in das Gefühl, dass die Arbeit überhandnimmt, stehen Veränderungen im aktuellen Job oder vielleicht auch ein Jobwechsel an.

Tipp: Regelmäßig zu prüfen, wie es um die eigene Lebensbalance steht ist hilfreich, um nicht zu lange in einer eventuellen Schieflage zu verharren.

Fazit

Karriere ist nicht nur ein beruflicher Aufstieg und Work-Life Balance ist kein statisches Gleichgewicht. Manche Stationen im Berufsleben erfordern mehr Zeit- und Energieeinsatz als andere. Eine regelmäßige persönliche Standort-Ziel Klärung, wozu auch das Hinterfragen des Jobs zählt, hilft zu erkennen, wenn die Lebensbalance nicht mehr stimmt. Dann ist es Zeit aktiv zu werden und entweder im aktuellen Job etwas zu verändern oder den Job zu wechseln. So werden Karriere und Work-Life Balance möglich.

Hinweis: Der Karrierespot kann hier als pdf heruntergeladen werden, damit die Checkliste für Sie zu bearbeiten ist. 

Autoreninformation

Der Diplom-Psychologe Hans-Georg Willmann ist zertifizierter Coach (Berufsverband Deutscher Psychologen) und Mitglied der DGfK e.V.. Er berät Menschen in beruflichen Veränderungssituationen und Krisen weltweit, schreibt Bücher und lebt seit 2016 in Australien.