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Karriere ist auch Familiensache

Wie Lebensentwürfe und Glaubenssätze unseren Berufsweg prägen

Von Dr. Claudia Sorg-Barth

Unsere Karriere wird oft stärker von familiären Glaubenssätzen und unbewussten Lebensentwürfen geprägt, als wir denken. Der Beitrag zeigt, wie systemische Karriereberatung dabei unterstützt, diese Muster zu erkennen, den eigenen Karriereweg bewusst zu reflektieren und stimmige berufliche Entscheidungen zu treffen.

Mach etwas Sicheres.“ – „Mit einem Job im öffentlichen Dienst bist du gut versorgt.“ – „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“ – „Selbstständigkeit ist viel zu riskant.“

Viele von uns kennen solche Sätze. Manche wurden offen ausgesprochen, andere waren unausgesprochene Familienregeln. Oft begleiten sie uns ein Leben lang – und beeinflussen unsere beruflichen Entscheidungen, ohne dass wir es bemerken.

Noch bevor wir unsere erste Bewerbung schreiben oder über unseren Traumberuf nachdenken, haben wir bereits die wichtigsten Botschaften über Arbeit, Erfolg und Sicherheit erhalten – in unserer Familie. Sie ist häufig unsere erste Karriereberaterin.

In meiner Arbeit als Karriereberaterin erlebe ich immer wieder, dass Menschen zunächst glauben, ihre beruflichen Entscheidungen ausschließlich rational getroffen zu haben. Schaut man jedoch genauer hin, zeigt sich häufig ein anderes Bild: Unsere Vorstellungen von Erfolg, Sicherheit, Leistung oder Anerkennung sind oft viel stärker von unserer Herkunft geprägt, als uns bewusst ist.

Die systemische Karriereberatung geht davon aus, dass berufliche Entscheidungen nie losgelöst von unserem Umfeld entstehen. Familie, Werte, Rollenbilder und prägende Erfahrungen bilden den Rahmen, in dem wir unseren beruflichen Weg entwickeln. Wer diese Zusammenhänge versteht, gewinnt mehr Klarheit und kann bewusster entscheiden – nicht gegen etwas, sondern für den eigenen Weg.

Karriere beginnt lange vor der ersten Bewerbung

Unsere erste Vorstellung von Arbeit entsteht nicht im Berufsleben, sondern in unserem Elternhaus. Dort erleben wir, wie über Arbeit gesprochen wird, welche Berufe Anerkennung erfahren und was als Erfolg gilt.

Manche Familien legen großen Wert auf Sicherheit und Beständigkeit. Andere fördern Leistungsbereitschaft, Selbstständigkeit oder gesellschaftliches Ansehen. Wieder andere vermitteln, dass Arbeit vor allem Freude machen soll.

Diese Werte sind weder richtig noch falsch. Sie sind häufig das Ergebnis der Erfahrungen früherer Generationen. Wer wirtschaftliche Unsicherheit erlebt hat, wird seinen Kindern vermutlich andere Empfehlungen mitgeben als Eltern, die berufliche Selbstverwirklichung erfahren durften.

Aus systemischer Sicht sind diese Erfahrungen keine Randnotizen unserer Biografie. Sie bilden vielmehr den Hintergrund, vor dem wir spätere Karriereentscheidungen treffen – häufig, ohne uns dessen bewusst zu sein.

Problematisch wird es erst dann, wenn wir diese Überzeugungen unbewusst übernehmen und gar nie hinterfragt werden. Dann treffen wir Entscheidungen möglicherweise nicht aufgrund unserer eigenen Bedürfnisse, sondern folgen einem inneren Auftrag, der ursprünglich gar nicht unser eigener war.

Welche inneren Aufträge begleiten Sie?

In Beratungen begegnen mir häufig Glaubenssätze wie:

  • Sicherheit geht immer vor.
  • Ein Beruf beim Staat ist das Beste, was dir passieren kann.
  • Hauptsache, du hast einen festen Arbeitsplatz.
  • Sei bescheiden und falle nicht auf.
  • Geld allein macht nicht glücklich.
  • Erst wenn du hart arbeitest, hast du Erfolg verdient.
  • Man bleibt seinem Arbeitgeber treu.
  • Erfolg bedeutet, Karriere zu machen.
  • Wer Verantwortung übernimmt, trägt auch viel Last.

Viele dieser Überzeugungen haben Menschen über Jahre Orientierung gegeben. Gleichzeitig können sie dazu führen, dass Karriereentscheidungen schwerfallen oder Entwicklungsmöglichkeiten gar nicht erst wahrgenommen werden.

Nicht selten spüren Klientinnen und Klienten genau das: Irgendetwas hält sie zurück. Sie können es jedoch zunächst nicht benennen.

Deshalb lohnt es sich, die eigenen Glaubenssätze und familiären Aufträge bewusst zu erforschen. Im Ergebnis erweitert sich damit oftmals der eigene Handlungsspielraum.

Drei Wege, den eigenen Karrierekompass besser zu verstehen

In meiner Karriereberatung haben sich dafür drei Zugänge besonders bewährt.

  1. Der Blick zurück – die eigene Biografie verstehen

Gemeinsam betrachten wir den bisherigen Lebens- und Berufsweg.

  • Welche Entscheidungen waren prägend?
  • Warum wurde gerade dieser Beruf gewählt?
  • Weshalb blieb jemand in einer Position, obwohl sie längst nicht mehr erfüllend war?
  • Wann wurden Chancen genutzt – und wann bewusst vermieden?

Besonders spannend wird dabei die Frage:

Welcher Glaubenssatz hat mich in dieser Lebensphase begleitet?

Oft entstehen genau hier die ersten Aha-Momente. Plötzlich wird sichtbar, dass bestimmte Entscheidungen weniger aus eigener Überzeugung entstanden sind, als aus übernommenen Werten.

  1. Das Gespräch mit den Eltern oder wichtigen Bezugspersonen

Wenn es möglich und sinnvoll ist, rege ich meine Klientinnen und Klienten an, mit ihren Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen ins Gespräch zu gehen.

Fragen können dabei sein:

  • Was bedeutet für euch beruflicher Erfolg?
  • Was habt ihr euch früher für mich gewünscht?
  • Worauf wart ihr besonders stolz?
  • Welche Eigenschaften waren euch im Berufsleben wichtig?

Die Antworten überraschen häufig. Viele Eltern wünschen sich vor allem, dass ihre Kinder ein sicheres und erfülltes Leben führen. Die daraus entstandenen Botschaften waren oft Ausdruck von Fürsorge.

Allein dieses Verständnis verändert häufig den Blick auf die eigene Karriere.

  1. Die Vorbild-Recherche

Ebenso aufschlussreich ist die Frage nach den eigenen Vorbildern.

Welche Menschen beeindrucken mich beruflich?

Und noch wichtiger:

Was genau fasziniert mich an ihnen?

Ist es ihre Freiheit? Ihr Mut? Ihre Gelassenheit? Ihre fachliche Kompetenz? Ihre Kreativität? Ihr gesellschaftlicher Beitrag? Oder ihre Fähigkeit, Beruf und Privatleben gut miteinander zu verbinden?

Hinter unseren Vorbildern verbergen sich häufig unsere eigenen Werte – manchmal diejenigen, die bislang noch keinen Platz im eigenen Berufsleben gefunden haben.

 

Wenn aus einem Familienauftrag eine bewusste Entscheidung wird

Besonders berührend sind für mich die Momente, in denen Klientinnen und Klienten erkennen:

„Ich darf meinen eigenen Weg gehen.“

Vielleicht galt der Satz „Sicherheit geht vor“ vor 40 Jahren tatsächlich für die Lebenswirklichkeit der Eltern.

Heute darf daraus auch werden: „Sicherheit ist mir wichtig – und gleichzeitig wünsche ich mir Sinn, Entwicklungsmöglichkeiten und Gestaltungsspielraum.“

Oder aus dem familiären Auftrag „Mach etwas Vernünftiges“ wird die Erkenntnis:

„Ich darf erfolgreich sein, ohne mich zu verbiegen.“

Es geht dabei nicht darum, die Werte der Familie in Frage zu stellen oder gar abzulehnen. Im Gegenteil: Sie verdienen in den allermeisten Fällen sogar Respekt, denn sie entstanden aus Erfahrungen und mit der besten Absicht.

Entscheidend ist vielmehr, bewusst zu entscheiden, welche dieser Werte heute noch zu den eigenen Lebenszielen passen – und welche weiterentwickelt werden dürfen.

Karriere bedeutet auch Persönlichkeitsentwicklung

Berufliche Entscheidungen entstehen selten nur im Kopf. Sie sind eng mit unserer Biografie, unseren Erfahrungen und den Systemen verbunden, in denen wir aufgewachsen sind.

Wer diese Zusammenhänge erkennt, erweitert seinen Entscheidungsspielraum. Karriereberatung bedeutet für mich deshalb weit mehr als die Suche nach dem nächsten Job oder der passenden Weiterbildung. Sie lädt dazu ein, den eigenen Lebensweg besser zu verstehen, alte Muster zu erkennen und daraus neue Möglichkeiten zu entwickeln.

Eine gute Karriere entsteht nicht dadurch, dass wir den Erwartungen anderer folgen. Sie entsteht dann, wenn wir unsere eigenen Werte kennen, unsere Stärken bewusst einsetzen und Entscheidungen treffen, die wirklich zu unserem Leben passen.

Denn die wichtigste Karriereentscheidung lautet oft nicht:

„Welchen Job soll ich als Nächstes annehmen?“

Sondern:

„Welchen Weg möchte ich wirklich gehen – und welcher Teil davon ist tatsächlich meiner?“

Autoreninformation

Dr. Claudia Sorg-Barth ist Mitglied der DGfK. Sie arbeitet als Karriereberaterin, Business Coach und Trainerin und unterstützt Menschen dabei, ihr Potenzial zu entfalten, wirksam zu kommunizieren und ihren beruflichen Weg mit Klarheit zu gestalten. 

Karriereberatung hilft, mit den eigenen Antreibern konstruktiv umzugehen

Von Oliver Braust

Glaubenssätze hat jeder von uns. Wir haben sie von unserem sozialen Umfeld mitbekommen. „Wenn man eine Arbeit macht, dann macht man sie richtig!“ oder „Wenn man etwas beginnt, dann bringt man es auch zu Ende!“ sind typische Glaubenssätze. Es sind tief verankerte Annahmen über uns und die Welt. Sie können auch positiver oder negativer Natur sein: Etwa, wenn ich nach dem Glaubenssatz lebe „Wenn man lange genug übt, kann man alles erreichen!“. Oder – negativ: „Das haben wir in unserer Familie noch nie geschafft!“.

Der Ursprung unserer Glaubenssätze liegt meist in der Kindheit: Eltern oder andere prägende Personen lebten uns ihre Glaubenssätze vor. Egal, ob diese ausgesprochen wurden oder nur vorgelebt. In jungen Jahren waren uns Glaubenssätze eine gute Orientierung und Hilfe, um Situationen, Aufgaben oder Problemstellungen zu meistern. Auch im Arbeitsleben machen uns Glaubenssätze oft erfolgreich. Mit den Jahren im Beruf können diese Glaubenssätze jedoch eine stärkere oder extremere Ausprägung erhalten. Und uns mehr und mehr stressen. Diese negativen Ausprägungen nennt man „Antreiber“.

Immer häufiger kommen Menschen mit Stresssymptomen und Burnout-Erfahrungen in die Karriereberatung. Dies ist zum einen sicherlich der mit höherem Alter abnehmenden Belastbarkeit sowie des gestiegenen Drucks und der Dynamik der Arbeitswelt geschuldet. Zum anderen aber auch dem Umstand, dass ein oder mehrere Glaubenssätze sich in diesem Kontext in Antreiber verwandelt haben und damit unseren Arbeitsstress erhöhen.

Im Rahmen von Karriere- und Outplacementberatungen erarbeiten Karriereberater:innen mit ihren Klient:innen zum Thema „Selbstklärung“ oft Antworten auf folgende Fragen:

  • Was bin ich für ein Mensch im Arbeitsleben?
  • Welcher Persönlichkeitstyp bin ich generell?
  • Mit welchen Menschentypen komme ich im Arbeitskontext gut zurecht, mit welchen weniger gut?
  • Wie kann ich mit meiner diesbezüglichen Erkenntnis künftig umgehen?
  • Welche Bedingungen brauche ich im Job, um gut, wirksam und entspannt zu sein?

Hierzu ist es sinnvoll, sich die eigenen Antreiber einmal genauer anzuschauen, um deren negative Auswirkungen ggf. einzudämmen.

Im Rahmen unseres letzten DGfK-Treffens im Februar 2023 in Hamburg diskutierten die Karriereberater:innen unseres Verbandes lebhaft darüber, wie Glaubenssätze unser Denken und Handeln – und auch unsere Beratung – beeinflussen. Und natürlich – ob und wie wir damit in der Beratung und im Coaching arbeiten. In den sehr unterschiedlichen Auffassungen und Arbeitsweisen, mit denen unsere Berater:innen mit Glaubenssätzen / Antreibern umgehen, wurde die große Bandbreite der Ansätze und Expertise offenbar. Manche von uns arbeiten in der Karriereberatung mit den Glaubenssätzen der Klienten, manche nur im Coaching. Einige verwenden spezielle Tools und andere thematisieren es im Rahmen der Gespräche.

Einig waren wir uns darin, dass wir Karriereberater:innen immer auch unsere eigenen Glaubenssätze mit in die Beratungen und Coachings einbringen. Karriereberater:innen sollten sich im Rahmen ihrer Karriereberatungen auch immer wieder die eigenen Glaubenssätze bewusst machen, um sich und ihren Klient:innen / Coachees gerecht zu werden. Da ist es gut zu wissen, in welchen Konstellationen man quasi ein „Arbeitsfeld“ hat, also immer mal wieder hinschauen und gegensteuern sollte.

Klient:innen und Coachees helfen Erkenntnisse über die eigenen Glaubenssätze und Antreiber, um in ihrer aktuellen beruflichen Position etwas zum Positiven zu verändern. Oder beim Start in einen neuen Job die Chance zu ergreifen, ein wenig anders als bisher zu agieren, um sich auf Dauer nicht mehr so zu stressen.

Denn auch das kann Karriereberatung bewirken.

Autoreninformation

Oliver Braust ist Mitglied der DGfK, Karrierecoach und Outplacementberater. Außerdem berät er Unternehmen zum Thema „Mitarbeiterbindung“.

Waldbaden als Methode in der Karriereberatung sinnvoll einsetzen

Von Silke Rusch

Was ist Waldbaden bzw. Shinrin Yoku?

Als mir das Thema vor einigen Jahren in meiner Funktion als Hochschuldozentin begegnete, habe ich schnell gemerkt, dass es ein Puzzleteil für meine Arbeit als Beraterin und Coach werden kann. Ich lies mich zur Veranstaltungsleiterin für Shinrin Yoku/Waldbaden zertifizieren und integriere die Methode seitdem in meine Coachings und Beratungen, wenn es zum Klienten und zum Thema passt. Und das ist viel häufiger der Fall, als man vermuten könnte.

Wörtlich übersetzt bedeutet Shinrin Yoku „in die Atmosphäre des Waldes eintauchen“. Der japanische Professor Yoshifumi Miyazaki verweist auf Untersuchungen, die belegen, dass Waldbaden hilft, Stress abzubauen, nach überstandener Erkrankung zu genesen, einen ausgeglichenen Blutdruck zu bekommen, die Konzentration zu verbessern und vieles mehr. Beim Waldbaden tauchen wir absichtslos ein in die Atmosphäre des Waldes. Wir nehmen mit allen Sinnen achtsam, bewusst und ohne zu bewerten wahr, was gerade ist und lassen es auf uns wirken. Wichtige Elemente sind dabei Entschleunigung, Stille, Schweigen, sich seiner Sinne bewusst sein. Ein Waldbad ist daher mehr als ein Spaziergang.

Ein Waldbad besteht aus mehreren Phasen. 

Für jede dieser Phasen gibt es spezielle Übungen. Zwischen Ankommen und Abschluss ist der Ablauf beliebig und auch zeitlich flexibel. 

  • Bewusstes Ankommen
  • Atemübung
  • Körperliche Entspannung
  • Zeit nehmen
  • Schweigen
  • Fokus auf einzelne Sinne
  • Entschleunigung
  • Solozeit
  • Bewusster Abschluss

Um die optimale gesundheitliche Wirkung (Einatmen der wirksamen Botenstoffe der Bäume, z.B. Terpene) zu erzielen, sollte ein Waldbad mindestens zwei, besser drei Stunden umfassen. 

Waldbaden in der Karriereberatung. Ein Fallbeispiel.

Der Wald ist ein komplexes System, das mit Herausforderungen umgeht und versucht zu überleben. Darin gleicht der Wald unserem beruflichen Alltag. 

Meine Klientin Tina ist Mitte 40 und kommt in die Beratung mit dem Ziel, eine Karriereentscheidung bewusst fällen zu wollen. Sie ist aktuell unzufrieden im Job, möchte einen neuen Weg einschlagen, weiß jedoch noch nicht genau, wie dieser aussehen wird. Nach einigen Stunden Beratung und der Auseinandersetzung mit ihren Stärken, Kompetenzen und Wünschen ist das Bild schon etwas klarer geworden. Doch wie findet sie nun die passende Aufgabe, wo soll die Reise hingehen? Soll sie das interne Angebot des Aufstiegs annehmen oder doch eher dem leise in ihr erklingenden Ruf nach externer Veränderung folgen?

Wir verabreden uns zum Waldbaden. Ich erläutere ihr den Ablauf und fordere sie auf, sich ihr zentrales Anliegen immer wieder bewusst zu machen und einfach mal ohne Erwartung wahrzunehmen, was der Wald ihr anbietet. Wie nah einige Bäume zusammenstehen, wie fein ziseliert ein Blatt ist, aus wie vielen unterschiedlichen Bäumen eine Baumgruppe besteht, die verschiedenen Grüntöne in der Ferne usw… Tina assoziiert dies auf ihre Situation und wir nähern uns in den jeweiligen Reflexionen zur Übung dem Kern ihrer Frage. Wir nehmen uns Zeit und erzwingen nichts. Plötzlich sieht sie im Wald viele Elemente des gegenseitigen Helfens, des Miteinanders, des Vernetzens. In der Reflexion wird ihr bewusst, dass sie selbst sich viel zu wenig helfen lässt. Zwar ist sie in ihrem Unternehmen gut vernetzt, schätzt den hauptsächlich fachlichen Austausch mit Kollegen, hat jedoch über die Jahre den Kontakt zu ehemaligen Wegbegleitern und Nahestehenden vernachlässigt. Es fallen ihr beim achtsamen Schlendern nach und nach wieder Menschen ein, die sie in ihrer Studienzeit und bei den ersten beruflichen Stationen kennengelernt hat. Wir schreiben die Namen auf und notieren ein Stichwort zur Art der Verbindung. Sie nimmt sich nach unserem Waldbad primär vor, die alten Kontakte, das alte Hilfenetzwerk von früher wieder zu aktivieren. Zuversichtlich, dass dies der richtige Ansatz ist, verabschieden wir uns.

Ein paar Wochen später berichtet Tina im Beratungsgespräch, dass sie sich mit ehemaligen Studienkolleginnen getroffen hat. Basierend auf dem Wissen um ihre Stärken, Kompetenzen und Wünsche konnte Tina die anderen ganz gezielt fragen, wo diese sie sehen würden, was sie in ihr früher gesehen haben, wie sie sie heute wahrnehmen. Eine aus der Runde rief sie kurz nach dem Wiedersehen an und berichtete ihr von einer freien Stelle in ihrem Unternehmen. Eine Position, die perfekt passt. Mutig, neugierig und zuversichtlich tritt Tina diese Aufgabe nun an. Das Waldbad hat sie in der Erkenntnis bestärkt, dass andere sie unterstützen wollen, dass sie sie ein Stück weit tragen können. Dass sie sie so annehmen, wie sie ist. 

Fazit

Karriereberatung mit Waldbaden heißt für mich, den Klienten neue Möglichkeiten aufzuzeigen, individuell mit ihren Themen umzugehen, sich den Assoziationen aus der Natur zu öffnen und sich selbst als Teil der Natur wahrzunehmen. Und ganz nebenbei lernen die Klienten eine neue Entspannungsmethode kennen, die sie in ihrem Alltag einsetzen können. 

Autoreninformation

Silke Rusch ist Mitglied der DGfK und Inhaberin von Rusch Consulting & Coaching, einem Anbieter für ganzheitliche Beratung und Begleitung in beruflichen Veränderungssituationen.